Wenn ein stummes Symbol an der Schulwand nach Meinung des EGMR bereits die Rechte der Eltern verletze, ihre Kinder nach ihren eigenen Überzeugungen zu erziehen, dann musse doch die aktive Einflussnahme des Staates auf die Wertevermittlung mit verpflichteten Ethikunterricht dies erst recht tun.
Aber da sieht es der EGMR plötzlich ganz anders:
Der Staat hätte seine Neutralitätspflicht gewahrt, denn weder das Berliner Schulgesetz noch der konkrete Lehrplan würden eine Religion bevorteilen.
glaubt der EGMR
Das ist Unsinn. Der Staat ist nicht neutral, wenn er sich selbst zum moralischen Erzieher macht und so in der Wertevermittlung in Konkurrenz zu den Eltern tritt.
Denn: Ethikunterricht kann nie wertneutral ablaufen. Das wäre einerseits zweckfremd und andererseits auch völlig absurd und unmöglich von den Lehrkräften zu verlangen, dass sie sämtliche Fragen über das moralisch Richtige und Falsche im Konjunktiv abhandeln.
Und ich glaube nicht, dass die tonangebenden Befürworter des Ethikunterrichts das für möglich halten: Sie hoffen auf größtmöglichen politischen Einfluss und wollen ihr Weltbild als angeblich einzige Grundlage von Aufklärung und Demokratie mittels Zwangsunterricht gesellschaftlich durchsetzen. Die freie Wahl zwischen „Ethik-“ und Religionsunterricht war ihnen deshalb ein Dorn im Auge.
3 Kommentare bis jetzt
Hinterlasse einen Kommentar
Den Erst-Recht-Schluss kann ich so nicht teilen. Erstens wurden in dem Ethikunterricht verschiedene Religionen und Weltanschauungen dargestellt und zweitens hatten die Kinder hier eine Wahl, denn sie konnten ohne weiteres weiterhin zum Religionsunterricht gehen. Der Ethikunterricht war eher wie das Fach Philosophie ausgestaltet und religiös-weltanschaulich neutral. Das kann man vom Kreuz nicht grade sagen, auch wenn es natürlich ein bissl eigenartig ist, sich deswegen durch zahlreiche Instanzen zu klagen.
Kommentar von stephan 6. November 2009 @ 7:29 ams. zum Ganzen http://www.juraexamen.info
Ich glaube nicht an eine Überparteilichkeit in ethischen Fragen bloß weil man nicht einer bestimmten Konfession folgt. Überparteilich ist allenfalls Gott. Auch der Staat hat bestimmte Interessen und wird – je nach politischer Einflussnahme – den Ethikunterricht dementsprechend gestalten.
In Italien sehen die meisten Menschen das Kreuz als Grundlage ihrer Kultur und Werte. Auch unter weniger Religiösen leiten viele aus ihrer christlichen Prägung ihre Vorstellungen von Menschenrechten und Menschenwürde ab.
Kommentar von kreuzweber 6. November 2009 @ 10:40 amWenn der EGMR ohne Rücksicht auf Souveränität, Kultur und Geschichte eines Staates Entscheidungen trifft, verliert er seine Glaubwürdigkeit und provoziert Kulturkämpfe herbei, weil dann die so genannten Menschenrechte nur mehr in der Hand einer kleinen kultur-und religionslosen aber mächtigen und ideologisch aufgeladenen Elite erscheinen.
[...] Gespeichert unter: Kirche, Meinung, Politkorrekt Vor einer Woche habe ich auf einen Einwand zu „kein Kreuz, keine freie Wahl“ im Kommentarbereich folgendes [...]
Pingback von Menschenrechte als ideologisches Instrument « Kreuzweber 14. November 2009 @ 11:48 am