Ein sehr gutes Interview mit dem Philosophen Rudolf Burger über die Europäische Union ist in der gestrigen Ausgabe der Wiener Zeitung erschienen.
Ein paar Auszüge:
“…Demokratie kann sich also nur in einem Bereich entfalten, in dem Menschen über eine wie auch immer geartete kollektive Identitätsbildung verfügen.
…Trotz durchaus vorhandener Bemühungen gibt es de facto keine europäische Öffentlichkeit, dem stehen schon die sprachlichen Hürden entgegen. Ein Zeichen dafür ist sicher auch, und ich sage das völlig wertfrei, das Verschwinden europäischer Bildungseliten, etwa die Intellektuellen und der Adel, der per se transnational organisiert war. Damit driften meiner Überzeugung nach die europäischen Völker eher noch weiter auseinander, obwohl sie durch europäische Institutionen eigentlich immer stärker integriert werden. Für mich lautet die Konsequenz daraus: Je mehr EU, desto weniger Demokratie. Das ist, so meine ich, unausweichlich.
…Gemünzt auf die EU-Institutionen sind sämtliche Begriffe der europäischen Staatslehre, angefangen bei der Gewaltenteilung, schief. Das Ganze ist sozusagen ein Montesquieu’scher Skandal.”
Das ganze Interview: Wiener Zeitung – “Die Finalität der EU heißt Lissabon”
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